Pressemitteilung vom 14.3.2012: Umbenennung zweier Hamburger Straßen nach Ramazan Avcı und Kemal Altun

Pressmitteilung zur PRESSEKONFERENZ am 14.3.2012, 10.00 Uhr, Kühne/Lage, Schützenstr. 39, 22761 Hamburg


Dr. Andreas Hieronymus unterstützt die Forderung nach Umbenennung zweier Hamburger Straßen nach Ramazan Avcı und Kemal Altun. Dies wäre ein erstes Zeichen, dass sich Hamburg ernsthaft dem Versagen der Ermittlungsbehörden nach der Ermordung des Hamburger Süleyman Tasköprü durch die Zwickauer Neonazis stellen möchte. Als weiterer Schritt sollte sich die Hamburger Bürgerschaft und Senat an der königlichen Macpherson-Kommission in Großbritannien orientieren, die sich nach der Ermordung von Steven Lawrence im April 1993, gebildet und institutionellen Rassismus in der britischen Polizei festgestellt hat.


Sehr geehrte PressevertreterInnen,


leider ist es mir aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich an der Pressekonferenz teilzunehmen.


Es ist mir aber wichtig die RAMAZAN AVCI INITIATIVE HAMBURG in ihrem Anliegen zwei Plätze/Straßen in Hamburg nach Opfern (Ramazan Avcı und Kemal Altun) rassistischer Politik und Gewalt zu benennen, zu unterstützen. Beide Opfer stehen für die verschiedenen Aspekte rassistischer Gewalt, die nackte Gewalt der Neonazis und die institutionelle Gewalt staatlicher Einrichtungen. Genau dieses Doppelgesicht der rassistischen Gewalt ist das, was den deutschen Behörden und der deutschen Gesellschaft so schwer im Magen liegt und was sie so gerne verdrängt.


Erinnert sei daran, dass das Versagen der Hamburger Ermittlungsbehörden nach der Ermordung des Hamburger Süleyman Tasköprü durch die Zwickauer Neonazis nicht durch die Rückkehr zur Tagesordnung, der Abwehr eigener Schuld und durch verbesserte technischen Lösungen bei der Kooperation der Behörden bearbeitet werden kann. Es muss eine ehrliche Aufarbeitung des Versagens geben, mit dem Ziel, dass die Sicherheit in Hamburg auch für alle Bewohner/innen Hamburgs verfügbar ist.


Ein Beispiel für solch eine kritische Aufarbeitung des Versagens gibt es in Großbritannien. Am 22. April 1993 wurde Steven Lawrence von einer Gruppe weißer Rassisten erschlagen. Erst 19 Jahre später, am 4. Januar 2012, konnten zwei Täter verurteilt werden. Bisher war eine Verurteilung nicht möglich, weil notwendige Beweise während der Ermittlungsarbeit vernichtet wurden. Eine königliche Kommission (Mcpherson-Kommission) stellte institutionellen Rassismus in der britischen Polizei fest und empfahl eine Veränderung der gesamten Polizeiorganisation, die dann auch erfolgte.


Für einen Erfahrungsaustausch kann ich gerne über unser internationales Netzwerk ENAR Kontakte zu beteiligten Akteure, wie Beamten, Polizisten und Journalisten herstellen wenn dies gewünscht.


Es grüßt Sie

Dr. Andreas Hieronymus


Seit 2002 veröffentlicht das iMiR für Deutschland den Schattenbericht zu Rassismus und dokumentieren, dass Rechtsextremismus, direkter und institutioneller Rassismus zwei Seiten einer Medaille sind. Auch dieses Jahr wird am 21. März 2012, dem internationalen Tag gegen Rassismus der Europäische Schattenbericht zu Rassismus in Europa und 28 nationale Schattenberichte aus EU-Mitgliedsstaaten veröffentlicht. Sie dokumentieren die Vielfalt rassistischer Ereignisse und Gewalt in Europa. Rechte Gewalttaten stellen nur eine Teilmenge rassistischer Praktiken in Europa dar. Der rassistische Alltag ist oft viel banaler, aber oft nicht weniger schlimm in seinen Auswirkungen. Im Schattenbericht 2011 zu Deutschland sprechen wir für die Sicherheitsorgane folgende Empfehlungen aus:

  • Bewusstseinsbildung in den Innenministerien und in den Polizeiabteilung über die negativen Folgen ethnischer Profilbildungen in der Fahndung.
  • Die Entwicklung einer Kultur der Selbstkritik und einer Berufsethik innerhalb der Sicherheitsorgane.
  • Einführung eines verbindlichen Menschenrechtstrainings in die Weiterbildung von Polizeibeamten.

Die lange Liste der bekannten und unbekannten Opfer des Rechtsextremismus und des Rassismus mahnen uns zur Neuorientierung in der Bekämpfung rassistischer Praktiken, wo immer sie vorherrschend sind.

Kontakt: Dr. Andreas Hieronymus

iMiR – Institut für Migrations- und Rassismusforschung, Hamburg

Vorstand im Europäischen Netz gegen Rassismus (ENAR)

Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg

hieronymus@imir.de

040/41369618

http://www.imir.de, http://www.enar-eu.org

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