Veranstaltungen

Forum "Migration und Rassismus"

ACCESS - Minderjährige und unbegleitete Flüchtlinge in Europa (13.6.2012)

ACCESS ist eine Lernpartnerschaft mit dem Ziel, gemeinsam ein Handbuch für Menschen, die mit minderjährigen und unbegleiteten Flüchtlingen in Europa arbeiten, herzustellen. Im Juni 2013 wird die Abschlusskonferenz in Hamburg stattfinden. Im Rahmen des Forums Migration und Rassismus wollen wir in loser Folge das Projekt vorstellen und Interessierte einbinden.

Im letzten Forum "Migration und Rassismus" am 11.4. 2012 hat das iMiR das Grundtvig-Erwachsenenbildungsprojekt ACCESS vorgestellt und es hatte sich eine Arbeitsgruppe gebildet. Inzwischen hat sich die Lerngruppe in Ankara getroffen und das Handbuch weiter entwickelt. In diesem Forum "Migration und Rassismus" wird diese inhaltliche Weiterentwicklung vorgestellt und die nächsten Schritte diskutiert. An der Veranstaltung können auch NeueinsteigerInnen teilnehmen, die auf der ersten Veranstaltung am 11.4. nicht anwesend waren.

Die Veranstaltung ist geeignet für Menschen jeden Alters, die mit minderjährigen oder unbegleiteten Flüchtlingen arbeiten oder arbeiten wollen. Die Lernpartnerschaft besteht zwischen iMiR, RESPECT Refugees Europe (Spanien), e-ITD, Transit Projectes (Spanien), AUR –ANSRU (Rumänien), Svenska Kyrkan (Schweden), AOF Randers (Dänemark), CEIPES (Italien), Stowarzyszenie Obszary Kultury (Polen), Klaip˙edos apskrities teisininku¸ (Litauen), IHAD (Türkei).

Auf der "Webseite ACCESS" kann das Projekt weiter verfolgt werden.

Ort: W3, Nernstweg 32-34, Saal

Preis: 2,- Euro

ACCESS - Minderjährige und unbegleitete Flüchtlinge in Europa (11.4.2012)

iMiR möchte das Grundtvig-Erwachsenenbildungsprojekt ACCESS vorstellen. ACCESS ist eine Lernpartnerschaft mit dem Ziel, gemeinsam ein Handbuch für Menschen, die mit minderjährigen und unbegleiteten Flüchtlingen in Europa arbeiten, herzustellen. Im Juni 2013 wird die Abschlusskonferenz in Hamburg stattfinden. Im Rahmen des Forums Migration und Rassismus wollen wir in loser Folge das Projekt vorstellen und Interessierte einbinden. In der ersten Veranstaltung soll das Projekt vorgestellt und gleichzeitig berichtet werden, wie man eine Grundtvig-Lernpartnerschaft entwickeln kann. Die Veranstaltung ist geeignet für Menschen jeden Alters, die mit minderjährigen oder unbegleiteten Flüchtlingen arbeiten oder arbeiten wollen. Die Lernpartnerschaft besteht zwischen iMiR, RESPECT Refugees Europe (Spanien), e-ITD, Transit Projectes (Spanien), AUR –ANSRU (Rumänien), Svenska Kyrkan (Schweden), AOF Randers (Dänemark), CEIPES (Italien), Stowarzyszenie Obszary Kultury (Polen), Klaip˙edos apskrities teisininku¸ (Litauen), IHAD (Türkei).

Ort: W3, Nernstweg 32-34, Saal

Preis: 2,- Euro

„Russisch – da wirst du ja gleich abgeschrieben!“ Diskriminierung auf Grund von Sprache (21.03.2012)

Diskussion

21. März 2012, 18:00

Mit Nela Hinz (Netzwerk Rassismus an Schulen NeRaS)

Nela Hinz stellt die Ergebnisse ihrer Examensarbeit vor, die sich mit der Diskriminierung auf Grund von Sprache (Linguizismus) befasst. Auf der Basis qualitativer Interviews mit Studierenden, die mit verschiedenen Akzenten Deutsch sprechen, konnte eine unterschiedliche Wertschätzung ihrer Herkunftssprachen festgestellt werden und eine sich daraus ergebende Benachteiligung. So hatten einige Studierende das Gefühl, wegen ihres Akzentes schlechter benotet worden zu sein. Nach der Vorstellung der Untersuchungsergebnisse diskutieren wir mit den Teilnehmenden, in wie weit, in welcher Form und mit welchen Auswirkungen ähnliche Prozesse auch in Schulen vorkommen.

In Kooperation mit dem Institut für Migrations- und Rassismusforschung (iMiR) und dem Netzwerk Rassismus an Schulen (NeRaS) http://www.neras.de

Ort: W3 Saal, Werkstatt 3, Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg

Preis: 2,-

„Wenn die mir gar nicht zuhören wollen...“ - Wie LehrerInnen mit Erfahrungen von Diskriminierung umgehen (22.9.11)

„Wenn die mir gar nicht zuhören wollen...“ - Wie Lehrerinnen und Lehrer mit Diskriminierungserfahrungen von Jugendlichen umgehen

Forum Migration und Rassismus mit Wiebke Scharathow und Prof. Dr. Rudolf Leiprecht (Carl-von-Ossietzky- Universität Oldenburg)

Gemeinsam mit Jugendlichen mit Migrationshintergrund haben die ReferentInnen einen Film über deren Alltag und ihre Diskriminierungserfahrungen gemacht. Dieser Film wird auch in Lehrerkollegien gezeigt. Die Diskussionen und Reaktionen der LehrerInnen auf den Film werden an diesem Abend reflektiert und es wird der Frage nachgegangen, welche Möglichkeiten für die Betroffenen bestehen, sich gegen Diskriminierung zur Wehr zu setzen.

Veranstalter: W3 in Kooperation mit dem Institut für Migrations- und Rassismusforschung (iMiR) und NeRaS – Netzwerk Rassismus in Schule

Don 22. Sep 2011, 18:00

Ort: W3 Saal, Nernstweg 32-34

Preis: 2,-

GenderTrouble - Doing Gender und Diskriminierung (8.6.2011)

Interkulturelle Jungenarbeit oder die Herstellung migrantisierter Männlichkeiten? Diesmal wird das Forum „Migration und Rassismus“ einen Workshopcharakter annehmen. Neben unserem Kooperationspartner "Werkstatt 3" haben wir auch den Verein "Jungenarbeit Hamburg e.V." mit ins Boot geholt. PraktikerInnen aus der Jungenarbeit berichten über Ausgrenzungserfahrungen von Jungen und wie sich diese auf die Herstellung spezifischer Männlichkeiten auswirken. Mit Übungen, Praxisbeispielen und Hintergrundinformationen wollen wir die Debatte um das allgemein beklagte „schlechte Abschneiden“ von „den Jungen“ vom Kopf auf die Beine stellen. Es sind nicht „die Jungs“ die Probleme haben, sondern es sind spezifische Konfigurationen von „Jungesein“, mit denen Segmente der Gesellschaft Probleme haben. Dieses Spannungsfeld wollen wir ausleuchten.

Wann? Mi 8. Juni um 18 Uhr

Wo? Werkstatt 3, Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg

Eintritt: 2 €

GenderTrouble - Erfahrungen mit „Gender“ und „Ethnizität“ in institutionellen Kontexten (13.4.2011)

Mit Dr. Andreas Hieronymus (Institut für Migrations- und Rassismusforschung, iMiR)

Mi 13.04. • 18 h • Forum Migration und Rassismus • Eintritt: 2 €

Die Überschneidungen von sozialem und biologischem Geschlecht mit Ethnizität und Religion bringt eine besondere Diskursanordnung hervor, welche Ein- und Ausschlussprozesse neu definiert und praktiziert. Andreas Hieronymus berichtet über die Erfahrungen, die er während seiner einjährigen Tätigkeit in der Hamburger Arbeitsstelle Vielfalt mit dem Aufbau des Themenschwerpunktes „Maskulinitäten“ gemacht hat. Dieser Abend soll der Auftakt des Schwerpunktes „GenderTrouble“ im Rahmen des Forums Migration und Rassismus sein, in dem in loser Folge unter dem Aspekt „Geschlecht“ und „Gender“ neue Entwicklungen kritisch reflektiert werden sollen.

In Kooperation mit der Werkstatt 3

Warum reden wir immer noch über "Rassen", wenn es keine gibt? (16.2.11)

02/16/2011 18:00
02/16/2011 18:00
Europe/Berlin

Dr. Andreas Hieronymus stellt Diskussionen und Initiativen zur Abschaffung des Begriffs "Rasse" in Gesetzestexten vor.

Kooperationen

Wie groß ist Europa? Die EU, die Türkei und die zähen Beitrittsverhandlungen

Termin: Mi. 27.08.14, 18-20 Uhr
Ort: Vortragssaal der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky; Von-Melle-Park 3
Mit:
Manuel Sarrazin – MdB, Die Grünen, Mitglied im Europaausschuss des Dt. Bundestages
Dr. Yaşar Aydın – Stiftung Wissenschaft und Politik
Nebahat Güclü – Vorsitzende Türkische Gemeinde Hamburg und Umgebung
Moderation: Andreas Hieronymus – iMiR – Institut für Migrations- und Rassismusforschung

In der Europäischen Union leben mehr als 700 Millionen Menschen in 28 Staaten. Derzeit finden mit sechs weiteren Ländern offizielle Beitrittsverhandlungen statt, darunter mit der Türkei auch ein muslimisches Land mit einer Bevölkerung von ca. 74 Millionen. Offiziell wird seit 2005 verhandelt, doch die bisherigen Ergebnisse sind spärlich, die Gespräche immer wieder von Unterbrechungen geprägt.
Worum geht es bei den Verhandlungen eigentlich genau, welches sind die immer noch strittigen Punkte? Ist ein muslimisches Land dieser Größe als Mitgliedsstaat der Europäischen, christlich geprägten Union überhaupt denkbar? Wie ist die Stimmung in der Türkei, wo sich Ministerpräsident Erdogan im August nun zum Präsidenten wählen lassen möchte? Wie beeinflussen mögliche Beitrittsverhandlungen die innenpolitischen Entwicklungen seit den Gezi-Protesten? Und was hat Europa mehr in die Waagschale geworfen, als ein zögerliches „Ja, aber …“? Über diese und weitere Fragen diskutieren wir mit unseren Gästen.

Die Teilnahme ist kostenfrei
 
Eine Kooperationsveranstaltung von
umdenken Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg e.V. und iMiR, Institut für Migrations- und Rassismusforschung
(www.umdenken-boell.de & http://platform.imir.de/)
Gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg
 
Die Veranstaltung ist für Rollstuhlfahrer_innen zugänglich. Ein barrierefreies WC ist vorhanden. Für den Fall, dass weitere Unterstützung benötigt wird, bitten wir um Benachrichtig bis zwei Wochen vor der Veranstaltung an info@umdenken-boell.de

Neuigkeiten

DIVERCITY Realitäten Konzepte Visionen

Bundesfachkongress Interkultur DIVERCITY Realitäten_Konzepte_Visionen: FACHFORUM 3 Bildung, Rassismus und Diskriminierung: Wenn sich Erfahrungen überschneiden

Zum vierten Mal in Folge findet vom 24. bis 26.10.2012 der Bundesfachkongress Interkultur statt. In diesem Jahr ist Hamburg der Austragungsort des im zweijährigen Rhythmus stattfindenden Fachkongresses. DIVERCITY: Kulturelle Vielfalt ist in Deutschland längst Realität. Die Hafenstadt Hamburg ist als Tor zur Welt schon seit Jahrhunderten ein Zentrum für Menschen unterschiedlicher Länder und Kulturen. Mit seinen großen Stadtentwicklungsprojekten der HafenCity und der Internationalen Bauausstellung IBA Hamburg auf der Elbinsel Wilhelmsburg sowie vielen interkulturellen Initiativen ist die Stadt in Bewegung – und damit ein idealer Austragungsort für den vierten Bundesfachkongress Interkultur.

Im Mittelpunkt der Diskussion stehen die aktuellen Realitäten und Herausforderungen unserer Gesellschaft. Ein Paradigmenwechsel scheint notwendig: weg von einer vorwiegend an Defiziten orientierten Integrationspolitik hin zur Erschließung von Potenzialen kultureller Vielfalt für unsere Gesellschaft. „Diversity Management“ und dessen vielschichtige Gestaltungsdimensionen stehen dafür im Zentrum der Diskussion. Die Kongressgäste erwarten interessante Vorträge und Fachforen sowie ein umfassendes Kulturprogramm.

Bildung, Rassismus und Diskriminierung: Wenn sich Erfahrungen überschneiden.

Das Fachforum 3 versucht folgende Fragen zu beantworten: Wie können wir heute über Rassismen sprechen angesichts von Intersektionalität – der Verflechtung und Überschneidung von Identitätsdiskursen und einer globalen ungleichen Entwicklung? In einer offenen Diskussion werden Einblicke in die praktische, nationale und internationale Rassismusforschung geboten. Impulsreferate stellen die sich überschneidenden Identitätsdiskurse vor. So wird z.B. 'Kindheit' in Migrantenfamilien und ethnisch gemischten Haushalten thematisiert. Es werden Fragen der Überschneidung von Diskriminierungsmerkmalen und der Diversity-Pädagogik ebenso erörtert wie Identitätskonstruktionen von Individuen und Organisationen. Der Nachmittag widmet sich dem Thema „Die anderen Deutschen: Kultur, Rassismus und Schule“. Es werden Intersektionen in der Schule herausgearbeitet, und es wird der Frage nachgegangen, welche Folgen sie für Lehrer/innen und Schüler/innen im Schulalltag haben. Nach einer thematischen Einführung durch die beiden Projektpartner Netzwerk Rassismus an Schulen und crearTaT wird das Thema in wechselnden Diskussionsrunden nach der „Worldcafe“-Methode weiter bearbeitet.

Veranstaltungswebseite hier

Handeln gegen Rassismus in Schule (Neras, 23.5.2012, Hamburg)

Handeln gegen Rassismus in Schule (Neras, 23.5.2012, Hamburg)

Neugierig auf das Leben der anderen Zuwanderer

Hamburger Abendblatt, 14.01.2012, Hans-Juergen Fink

Keine Angst vor Berührung: Der Wahl-Hamburger Andreas Hieronymus erforscht als Soziologe Migration und Rassismus in der Hansestadt.

 

Der Soziologe Andreas Hieronymus auf der Beckstraße. Im Schanzenviertel ist er schon seit 25 Jahren zu Hause
Foto: Marcelo Hernandez

Der rote Faden zieht sich durch die Stadt: Er verbindet Menschen, die einander schätzen, bewundern, überraschend finden. Sie entscheiden, an wen sie ihn weiterreichen: an andere, die hier arbeiten, die Besonderes für Hamburg leisten, die als Vorbilder gelten. Den Anfang machte Altbürgermeister Henning Voscherau. Heute in der 24. Folge: Andreas Hieronymus

 

Das Leben ist kein Ponyhof dort, wo in unserem Land, in unserer Stadt unterschiedliche Kulturen aufeinandertreffen. Was genau passiert dort, wo die Milieus, Lebensentwürfe, Träume, Sprachen und Möglichkeiten gegeneinanderschrammen, als seien es Kontinentalplatten? Um das zu untersuchen, muss sich jemand ohne Angst vor Berührung direkt in die kritischen Zonen begeben.

Andreas Hieronymus, Leiter des Instituts für Migrations- und Rassismusforschung, wohnt mittendrin in seinem Forschungsfeld. Die Beckstraße ist ein filmreifes Stück Alt-Hamburg im Schanzenviertel, zwischen dem ehemaligen Schlachthof und dem Neuen Pferdemarkt. Eng, kaum autotauglich, die Häuser leugnen ihre proletarische Herkunft nicht. Aber sie sind inzwischen propper herausgeputzt. Seit 25 Jahren wohnt der Soziologe in dieser Ecke, sein geschulter Blick registriert: "Was früher ein Arbeiterviertel war mit Studenten, wird zum Mittelschichtwohngebiet; die Sanierungen vertreiben zum Beispiel die Migranten, aber auch andere Menschen kommen hier nicht mehr vor - schräge Vögel, wie sie auf St. Pauli traditionell zu Hause waren. Die früher ausbalancierte Mischung kippt."

Wenn Hieronymus spricht, hört man sofort: Der Mann hat selbst einen Migrationshintergrund, denn er kommt aus Stuttgart. Beim Kaffee am Küchentisch unterm Dach im dritten Stock stellt sich heraus, dass seine Familiengeschichte noch weitaus bewegter ist. Und dass die Elbe so etwas wie ein verbindender roter Faden darin ist. "Ich bin ein Hamburger Schwabe mit tschechischen Wurzeln mütterlicherseits und italienischen vom Vater her." Seine Familie wurde nach dem Krieg aus der Nähe von Usted nad Labem - Aussig an der Elbe im tschechischen Sudetenland - vertrieben. Einen Teil trieb es nach Leipzig und Torgau, einen anderen über München nach Stuttgart. "Man vergisst das leicht, dass durch den und nach dem Weltkrieg zwölf Millionen Menschen vertrieben wurden und deshalb mit einem Migrationshintergrund leben, den die Gesellschaft bloß verdrängt."

Der Vater, als Kind zur Adoption freigegeben, landete im thüringischen Meiningen. Er hat Hieronymus' Mutter mit seinen drei Kindern verlassen und ging auf ein unstetes Wanderleben. Wollte in den 60er-Jahren eine Farm in Südafrika übernehmen, ging nach Sizilien, wollte nach Amerika und ging schließlich 1969 über Hamburg in die DDR zurück - "das taten damals nur überzeugte Kommunisten, Kriminelle und unterhaltspflichtige Väter". Vier weitere Kinder des Vaters wurden dort geboren. Hieronymus kennt sie inzwischen fast alle: "Je älter ich werde, desto größer wird meine Familie." Er selbst lebt in einer festen Partnerschaft.

Vielleicht liegt es an seiner Familiengeschichte, dass er früh anfängt, sich um Wanderungsbewegungen und die Möglichkeiten, die im Fremden liegen, Gedanken zu machen. Er kommt 1963 zu Welt, wächst in kleinen Verhältnissen auf. "Sozialwohnungsbau, bildungsferner Hintergrund, Sinti und Roma, Griechen, Italiener in der Nachbarschaft - das bringt Kommunikationskompetenz." Er leistet seinen Zivildienst im Ausland. In Irland, noch bevor Globalisierung und Aufschwung das Auswanderungs- zum Einwanderungsland machen. Kümmert sich darum, dass die Kinder der "travelling people", des irischen fahrenden Volkes, lesen und schreiben lernen, dass arbeitslose Jugendliche zur Schule gehen. Noch heute liebt er die irische Musik, beispielsweise von dem Sänger Christy Moore.

Hieronymus kommt aus Irland zurück und studiert, "der erste Akademiker in der Familie", da schwingt schon ein bisschen Stolz mit. Grundstudium in Freiburg, 1987 Umzug nach Hamburg. Und 1989 ein Auslandsjahr an der Bosporus University in Istanbul, einer englischsprachigen Eliteuniversität, die seinem Leben neue Möglichkeiten eröffnet. "Dort hab ich die Wiedervereinigung verpasst", sagt er. Als er zurückkommt, hat sich Deutschland verändert, und Hieronymus hatte Türkisch gelernt. Er pflegt seinen kritischen Blick auf Veränderungen.

In Hamburg promoviert er - darüber, wie in Altona und St. Pauli das Zusammenleben zwischen Türken und Deutschen die Sprache verändert. "Denn das, was man als falsches Deutsch beschreibt, ist im Prinzip die Vorstufe einer neuen Dialektbildung." Er will wissen: Wie funktioniert diese Mischsprache? Und was bedeutet sie für die Gruppenbildung, für das Dazugehören und das Ausgeschlossensein?

Er machte erstaunliche Entdeckungen: Wer mit einer türkischen Majorität aufwächst, fühlt sich nicht notwendig ausgeschlossen, sondern lernt. "Die eignen sich Stile und Sprachen an, die lernen Türkisch so gut, dass man nur noch fragen kann, aus welcher Region der Türkei kommen die eigentlich? Dabei waren die noch nie dort."

Als Soziologe ist Hieronymus am liebsten draußen. Berührungsangst hat er nicht, er kann Jugendliche in ihrer Sprache ansprechen, kennt die ritualisierten Sprachduelle, wird ernst genommen und erfährt vieles, was anderen verschlossen bleibt.

Er landet beim Institut für Migrations- und Rassismusforschung, gegründet 1990 von einer Gruppe von Frauen, die einen anderen Blickwinkel auf die Veränderungen der Gesellschaft suchten und sahen, dass man in anderen Ländern da viel weiter ist als in der Bundesrepublik, wo nach der Wiedervereinigung erste Gewalttaten gegen Türken und andere Ausländer fassungslos registriert werden. Sie wollen Antworten auf die Frage: Wie muss sich die Gesellschaft ändern, damit die Eingewanderten hier Handlungsfähigkeit und Perspektive entwickeln und ihr Leben optimal gestalten können?

Das Institut sitzt in Ottensen, unterm Dach in der Werkstatt 3, ein gemeinnütziger Verein, alles Freiberufler. "50:50", so sieht Hieronymus seine eigene Arbeit verteilt auf das Heranschaffen von Aufträgen und die Forschungstätigkeit. Das bedeutet vor allem: netzwerken. Er sitzt auch im Vorstand des europäischen Netzwerks gegen Rassismus, das - gestützt auf nationale Netzwerke - in fast 30 Ländern der EU präsent ist. Das Institut arbeitet je nach Projekt in Teams von zwei, drei, fünf, zehn Forschern, flexibel und in der Nähe zur Selbstausbeutung.

Auftraggeber ist entweder die EU-Kommission, die wissen will, wie es um die Integrationsbemühungen bei Migranten steht, um die Bekämpfung des Rassismus. Oder es sind Stiftungen, die sich um die Veränderungen zum Beispiel in Osteuropa hin zu einer offenen Gesellschaft sorgen. Hieronymus sagt: "Deutschland ist nicht ganz so schlimm, wie es von innen aussieht, wenn man's von draußen anschaut."

"Wir erstellen einmal im Jahr den 'Schattenbericht' zum Rassismus in Deutschland, untersuchen dafür Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt, Gesundheitsmarkt, Polizei und Dienstleistung." Regierungen machen das auch, in Zahlen und Statistiken. Das Institut liefert konkrete Beispiele, Schicksale, Geschichten.

In Hamburg haben sie mit großen Firmen wie Budnikowsky die Einstellungstests untersucht daraufhin, wie strukturelle Barrieren für bestimmte Gruppen wegzuräumen wären. Damit auch Migranten Chancen haben, und die Firmen gute Leute bekommen. "Oft wird ja gar nicht erkannt, was für Potenziale Migranten für die wirtschaftliche Entwicklung mitbringen", sagt Hieronymus.

Die Soziologie am Rand der Kontinentalplatten blickt längst über die Tellerränder. Dafür ist er viel unterwegs. Brüssel, Istanbul, Schweden, Zypern, Palermo, Budapest - Projekte, netzwerkelnde Gespräche, Tagungen. "Wochenenden sind beliebt für Tagungen, manchmal bin ich monatelang kein Wochenende zu Hause. Dann sitzt man in Budapest auf einem Balkon, schaut auf Donau und Parlament und träumt von seinem Kleingarten auf Finkenwerder."

Nahe Airbus liegt seiner, ein paar Tomaten, Walderdbeeren. Ein Refugium im Sommer. "Das ist ein alter Verein, von 1901, glaube ich. Und sehr im Umbruch, ein sehr interessantes soziologisches Feld." Sein Blick bleibt auch in der Idylle analytisch.

Der Mann mit den kleinen Ringen im Ohrläppchen und dem lila Pullunder über dem blasslila Hemd forscht nicht nur, er lehrt auch - an der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg und bei den Pädagogen an der Universität Hamburg. Dort merke er: Die Studenten jagen oft nur Punkten hinterher, die wollen gar nicht wissen. Dabei gibt es so viele Themen: Zum Beispiel, dass der Wegfall der Mauern zwischen Ost und West in Europa neue Mauern zur Folge hat - an den Außengrenzen der EU. Sie seien, wenn man die ertrunkenen Migranten im Mittelmeer zähle, kaum weniger tödlich, sagt er.

Beim Rassismus hat er vor allem die Islamophobie im Auge, die durch die Anschläge in New York vom 11. September 2001 einen gewaltigen Aufschwung erfahren hat. "Sie ist beim Entstehen des vereinigten Europas", sagt der überzeugte Europäer, "das, was der Antisemitismus beim Entstehen des deutschen Nationalstaats war. Das Problem ist ja immer: Wenn man nicht positiv über sich selber reden kann, ist es immer einfacher, über einen anderen schlecht zu reden. Wir müssen die neue europäische Identität aber positiv bestimmen."

Forschung hat bei Andreas Hieronymus immer etwas mit der eigenen Biografie zu tun, ihn treiben oft Fragen danach, was aus bestimmten Situationen hätte anders werden können, als es gekommen ist. Orte aus der Familienerzählung wie Südafrika oder Palermo sind dann Kristallisationspunkte für Träume, genau wie die biografischen Interviews, die er für seine Untersuchungen macht. "Man misst sich daran, kann manchmal eigene Muster wiedererkennen, lernt viel über sich selbst."

Soziologe zu sein, sagt er, ist "nicht nur eine Karriere, sondern eine Art, mit meiner Biografie umzugehen, mich in meiner Umwelt zu positionieren." Es sind immer auch seine persönlichen Fragen, mit denen er die Welt untersucht und ihren Mechanismen auf die Spur kommt.

Andreas Hieronymus bekam den roten Faden von der Hamburger Imamin Halima Krausen.

Er reicht ihn weiter an Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit (SPD), weil er wissen will, wie die Bürgerschaft die Absichtserklärung der "Koalition gegen Diskriminierung", der Hamburg im Sommer beigetreten ist, mit Leben füllen will.

 

The return of the neo-Nazis